Kontaktadressen

Dr. Sebastian Koller, Präsident
Marktgasse 76, CH-9500 Wil
Tel. 079 316 26 50
sko@ig-weierwisen.ch

Dr. Urs Germann, Vizepräsident
Weierhofstr. 8, CH-9500 Wil
Tel. 071 911 12 45
uge@ig-weierwisen.ch

Louis Scherrer, Kassier
Bildfeldstrasse 46A,
CH-9552 Bronschhofen
Tel. 071 911 69 60
lse@ig-weierwisen.ch

Sekretariat z.Z. vakant

Gebiet Weierwisen Wil

Geschichte des Gebiets Weierwisen

Einleitung

Das Gebiet Weierwisen ist ebenso geschichtsträchtig wie die Stadt Wil insgesamt. Die eigentümlichen Schreibweisen, "Weier" ohne "h" und "Wise" ohne "ie", sind historisch bedingt und in Wiler Flurnamen auch heute noch gebräuchlich. Die Talsenke zwischen Hofberg und Nieselberg/Altstadthügel, in welcher der Grünkorridor Stadtweier-Weierwisen-Breitenloo liegt, war wohl einst ein Feuchtgebiet. Die vorhandenen Oberflächengewässer und einzelne verbliebene Riedwiesen weiter östlich Richtung Hasenlooweiher legen diese Vermutung nahe. Verschiedene (wasser-)bauliche Eingriffe haben die Topografie des Gebiets stark geprägt.

Der Stadtweier

Der Wiler Stadtweier, früher auch Unterer oder Alter Weier genannt, liegt unmittelbar nördlich des Altstadthügels und wurde mit grösster Wahrscheinlichkeit im Mittelalter künstlich angelegt, um im Brandfall genügend Löschwasser zur Verfügung zu haben. In einer Urkunde aus dem Jahr 1370 wird erstmals ein Weiher erwähnt. Seine Entstehung hängt wohl auch mit der ehemaligen Unteren Mühle zusammen (s. unten). Im Jahr 1910 ging der Stadtweier mit der Unteren Weierwise in den Besitz der politischen Gemeinde über und wurde so als Naherholungsgebiet für die Bevölkerung nutzbar.

Luftaufnahme Stadtweier 1983

Luftaufnahme des Stadtweiers und der Altstadt aus dem Jahr 1983 (Ansicht von Norden): Links die Untere Weierwise. Quelle: Stadtlexikon WilNet

Der Obere Weier

Im Jahr 1470 wurde unter Leitung von Meister Hans Segmüller aus Frauenfeld der Weierdamm aufgeschüttet, welcher den Krebsbach zum Oberen Weiher staute. Er diente zur Zucht von Fischen, die im katholischen Wil an den zahlreichen Fastentagen in grosser Zahl verzehrt wurden, und reichte, zumindest zeitweise, bis ins Breitenloo. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts führte der Obere Weiher nur noch temporär Wasser und erreichte wohl auch nicht mehr seine einstige Grösse. Im Winter diente er als Eislauffläche und zur Gewinnung von Eis für die Hofbrauerei. An der Stelle des Oberen Weiers liegt heute die Obere Weierwise mit dem Reitplatz, der Badeanstalt und den landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Wil um 1670

Wil um 1670 (Ansicht von Süden): Hinter der Stadt sind der Untere Weier (links) und der deutlich grössere Obere Weier (rechts) zu erkennen. Quelle: Stadtlexikon WilNet

Die Mühlen

Entlang des Krebsbachs im Gebiet Stadtweier-Weierwisen-Breitenloo gab es zu früherer Zeit drei Mühlen: Die Mühle Breitenloo an der heutigen Stadtgrenze bei Rossrüti, die Obere Mühle am Weierdamm nördlich des Hofs zu Wil und die Untere Mühle im Westen der Altstadt beim Rosenplatz. Die Alte Mühle Breitenloo dient heute als Wohnhaus. Die Obere Mühle wird 1315 erstmals erwähnt und wird heute als städtisches Jugend- und Freizeithaus genutzt. Die Untere Mühle musste 1907 einem Wohngebäude weichen (Obere Bahnhofstrasse Nr. 50/52). Die Obere und die Untere Mühle wurden vom "Mühlebach" angetrieben, einem heute nicht mehr vorhandenen Seitenarm des Krebsbaches, der an der Oberen Vorstadt und am Fuss des Altstadthügels vorbeizog.

Weiherplan um 1800

Weiherplan um 1800 mit dem Unteren Weier (links), dem Oberen Weier (rechts), dem Krebsbach (oben), dem Mühlebach (unten) und der Oberen Mühle (unten Mitte). Quelle: Stadtlexikon WilNet

Badeanstalt Weierwise

Das Schwimmbad Weierwise wurde 1931 erbaut. Bis 1967 wurde dort ausschliesslich nach Geschlechtern getrennt gebadet. Diese Badeordnung wurde nach dem "Badisturm", welcher von einigen mutigen Wilerinnen organisiert wurde und in der Stadt für grosses Aufsehen sorgte, aufgegeben.

Schwimmbad Weierwise 1946

Die Badeanstalt Weierwise im Sommer 1946: Der Hofberg war damals noch weitgehend unverbaut. Quelle: Stadtlexikon WilNet

Altstadt und Hof zu Wil

Vermutlich im 12. Jahrhundert errichteten die Grafen von Toggenburg am höchsten Punkt des Altstadthügels, wo sich heute der Hof zu Wil befindet, einen befestigten Wohnturm. Um diesen herum entwickelte sich ab dem 13. Jahrhundert die Altstadt, nachdem Wil um 1200 das Stadt- und Marktrecht erhalten hatte. Im Jahre 1226 gelangte die Stadt als Schenkung in den Besitz der Fürstabtei St. Gallen. Noch heute wird Wil deshalb als Äbtestadt bezeichnet. Der Hof zu Wil wurde als Residenz der Fürstäbte mehrmals umgebaut und erweitert. Seine heutige Gestalt erhielt er im 15. Jahrhundert unter Fürstabt Ulrich Rösch. Der einstige Wohnturm der Grafen von Toggenburg wurde in den Baukörper integriert und ist seit der Renovation in den Jahren 2005-2011 wieder begehbar. Der letzte grösse Eingriff in die äussere Erscheinung des Hofs erfolgte Ende des 17. Jahrhunderts, als das Walmdach zu einem Krüppelwalm umgebaut wurde. Nach der Auflösung des Klosters St. Gallen fiel der Gebäudekomplex im Jahr 1810 in den Besitz der Ortsgemeinde und unmittebar danach in Privatbesitz. Von 1815 bis 1982 bestand eine Bierbrauerei im Hof. 1990 wurde der Hof von einer Stiftung erworben und als Baudenkmal von nationaler Bedeutung eingestuft. In zwei Bauetappen, abgeschlossen 1998 und 2011, wurden Teile des Komplexes für eine öffentliche Nutzung erschlossen. Heute befinden sich ein Gastronomiebetrieb mit verschiedenen Tagungsräumen, die Stadtbibliothek, das Stadtmuseum sowie die Räumlichkeiten der Volkshochschule im Hof zu Wil.

Hof zu Wil

Blick vom Gebiet Weierwisen auf die Altstadt und den Hof zu Wil. Foto: Sebastian Koller

Das Kornhaus

Das Kornhaus am Bergtalweg wurde 1773 errichtet und diente später als Armen- und Bürgerheim der Ortsgemeinde Wil. Heute wird es als Wohn- und Bürohaus genutzt.

Kornhaus

Das Kornhaus ist neben dem Hof zu Wil wohl das imposanteste Bauwerk in Blickweite der Weierwisen. Foto: Walter Dyttrich

Siedlung Neualtwil

Einen reizvollen Kontrast zu den historischen Bauten der Altstadt bietet die Siedlung Neualtwil nördlich der Oberen Weierwise. Die Siedlung zeichnet sich durch die kunterbunten Häuserzeilen und eine starke Strukturierung nach dem Vorbild historischer Stadtquartiere aus. Gassen, Plätze sowie gemeinsam genutzte Hobbyräume und Gärten fördern den sozialen Kontakt. Ein feingliedriges Fusswegnetz gewährleistet die Durchlässigkeit der Siedlung und die Anbindung an die umgebenden Gebiete. Trotz hoher baulicher Verdichtung weist das Quartier eine vorzügliche Lebensqualität auf, weshalb es als Vorzeigebeispiel urbaner Siedlungsarchitektur gelten darf. Der Gestaltungsplan der Siedlung wurde in den 1970er Jahren entworfen und die Realisierung erfolgte in Etappen. Zur Zeit besteht eine Baulücke zwischen dem westlichen und dem östlichen Teil der Siedlung. Um die Lücke zu schliessen, wurde der Gestaltungsplan überarbeitet. Diese "Modernisierung" des Siedlungskonzeptes ist politisch umstritten und Gegenstand eines laufenden Rechtsverfahrens.

Neualtwil

Der westliche (links) und der östliche Teil (rechts) der Siedlung Neualtwil, dazwischen die ominöse Baulücke. Foto: Sebastian Koller

Fauna und Flora

Aus dem 1957 verfassten Text "Unter Stadtweier" von Karl Ehrat geht hervor, dass der Stadtweier einst einen stattlichen Seerosenbewuchs aufwies. Dieser war anscheinend schon damals gänzlich verschwunden. Der Schilfgürtel hatte offenbar eine grössere Ausdehnung als heute, wie auf alten Fotografien ersichtlich ist. Karl Ehrat schreibt auch vom Gequake der Frösche, das verstummt sei. Daraus lässt sich schliessen, dass es früher eine grössere Wasserfrosch-Population gab. Heute kommen im Gebiet Stadtweier-Weierwisen noch die Amphibienarten Grasfrosch, Erdkröte und Bergmolch vor. Ebenfalls schon zur Zeit von Karl Ehrat verschwunden waren die "Ringelnatern und Vipern". Dass es im Gebiet Weierwisen Ringelnattern gab, ist nicht erstaunlich. Um welche Schlangenart es sich bei den "Vipern" handelte, ist schwer zu sagen. Nach wie vor eine grosse Rolle spielen die Fische im Stadtweier: Die sog. Jugendfischerei erfreut sich bei den Jugendlichen in Wil grosser Beliebtheit. Im Übrigen wird auch der Krebsbach als Fischaufzuchtgewässer genutzt.

Quellen

>> Stadtlexikon WilNet <<

>> Stiftung Hof zu Wil <<

>> Stadt Wil <<

>> IG pro Neualtwil <<

>> Nach oben <<



Last Update: 05.10.2017